Ulmer Münster - alle vier Dächer mit PV

Was die Sonne alles kann und könnte

Dieses Jahr sind die Menschen in Ulm froh, wenn sich die Nebeltage verabschieden und die Sonne wieder strahlt. Über die Wärme freut sich auch die Natur. Die Vögel in den Parks und Gärten singen wieder länger und die ersten Frühblüher zeigen erstes Grün.

Keine Frage: Wer Strom aus einer Photovoltaikanlage (PV) bezieht, ist ebenfalls happy. Sie liefert wieder mehr Elektrizität als an trüben Tagen. Im Rückblick war 2025 ein Superjahr für Solarmenschen. In Baden-Württemberg schien die Sonne satte 1980 Stunden, 23 Prozent mehr als im Vergleich zu früheren Jahrzehnten mit 1607 Stunden. Beim PV-Zubau erreichte Baden-Württemberg einen Spitzenwert mit 2,060 Gigawatt Leistung und übertraf das gesetzte Ziel fast um 1 Gigawatt (GW). Bis zum Zieljahr 2030 müssen alle Menschen, ob privat oder geschäftlich, aber noch eine dicke Schippe drauflegen. Noch fehlen 10 GW an PV-Leistung. Sprich: Pro Jahr müssen 2,5 GW installiert werden, mehr als 2025. Geeignete Gebäudeflächen und Parkplätze gibt es genug. Diese Flächen sind im Gegensatz zu Wiesen und Feldern bereits versiegelt. Strom wird zudem vor allem in Häusern und Hallen gebraucht, nicht auf grünen Wiesen. Diese brauchen wir für unsere Mitlebewesen. Sie danken es uns, indem etwa Insekten unser Überleben sichern.
.

PV-Dach-König von Ulm
PV-Dach-König von Ulm

Und wer ist der Dach-PV-König in Ulm? Die Stadtverwaltung mit ihren 450 Gebäuden hat eigentlich beste Chancen auf Platz eins. Doch mit 24 Dachanlagen und rund 724 Kilowatt (kW) Leistung landet sie weit abgeschlagen auf den hinteren Plätzen. Deutlich besser schneiden Ulmer Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft UWS mit 59 sowie die Ulmer Heimstätte mit 49 Anlagen ab. Bei der Stromleistung hängt die Heimstätte die UWS ab. Mit drei Anlagen der UWS-Service-GmbH liegt die städtische Gesellschaft aber vor der genossenschaftlichen Heimstätte, wenn auch knapp (1089 zu 1039). Letztere hat 282 Gebäude im Bestand, die UWS gibt mit 7500 nur Wohnungen an. Zu Gebäuden macht sie auch auf Nachfrage keine Angaben. Die Stadtwerke SWU betreiben in Ulm nur 18 PV-Anlagen. Im Geschäftsbericht 2024 hieß es noch unter Strategie für 2025, der PV-Ausbau spiele eine „zentrale Rolle“. Hätten sie in diesem Jahr nicht zwei Freiflächen im Örlinger Tal mit Modulen bestückt, kämen sie auf bescheidene 911 kW. Nun können sie eine Leistung von 6111 kW vorweisen. Nur dadurch klettern sie auf Platz eins. Berücksichtigt man nur Anlagen an und auf Gebäuden hält diesen Rang souverän Seifert Logistics mit 5176 kW, gefolgt von der Müller GmbH mit neun Anlagen und 3664 kW. Fünf Anlagen betreibt das Maschinenbau-Unternehmen Zwick Roell mit 1350 kW. Zahlreiche weitere Firmen haben sich mit PV-Anlagen ausgestattet.
Im abgelaufenen Jahr 2025 hat die Ulmer Stadtgesellschaft für einen deutlichen (PV-Zubau von 25 MW (=25 000 kW) auf 122 MW gesorgt. Die Stadt hat damit 60 Prozent ihres 2022 im Gemeinderat beschlossenen Ziels für 2030 von 200 MW Solarstrom-Leistung erreicht. Den vielen Menschen, die sich für PV entschieden, sei Dank. Die 122 MW sind aber nur 22 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs der Stadt. Deshalb muss der Gemeinderat zwingend seine Ziele erhöhen. Das Potenzial für Strom von „geeigneten Dächern“ via Sonne hat das erste Klimaschutzkonzept aus dem Jahr 2015 auf 450 bis 500 MW beziffert. Mit dieser Leistung werden 450 bis 500 Gigawattstunden Strom im Jahr erzeugt (die pi-mal-Daumen-Rechnung: Leistung in MW/kW mal 1000 Sonnenstunden ergibt die Stromproduktion).

Eine neuere Studie im Auftrag der Industrie- und Handelskammer Baden-Württemberg nennt für Ulm ein Potenzial von 763 GW/h Stromerzeugung im Jahr, auf den „geeigneten Dächern“. Die Landesanstalt für Umwelt zeigt, dass Ulm sein PV-Potenzial nur zu 11,3 Prozent ausgeschöpft hat und geht davon aus, dass mit Solarenergie 1079 GWh zu erzielen seien. Dass der Stromverbrauch ansteigen wird, ist mehr als wahrscheinlich. Und wer hat in Ulm 2025 am meisten PV-Module auf die Dächer gebracht? Eindeutig die Ulmer Heimstätte mit fast 590 kW Leistung, gefolgt von der Uni Ulm mit rund 392 kW, der Uniklinik mit 262,5 kW. Die Stadtwerke haben lediglich 148 kW auf Dächern installiert, die UWS 104, die Stadt klägliche 44,2 kW. Ihr Beitrag am Zubau: 0,18 Prozent. Da muss der Turbo, den Oberbürgermeister Martin Ansbacher versprochen hat, endlich anlaufen, wenn er denn schon angeschlossen ist. Würden wir Ulmerinnen und Ulmer unseren Strom vor allem mit Sonne und Wind selbst erzeugen, würden wir zu heutigen Preisen rund 100 Millionen Euro sparen. Macht pro Nase und Jahr rund 700 Euro mehr in der Tasche. Da muss man kein Schwabe sein, um loszulegen.

.

PV-Zubau in Ulm 2025 (in Prozent)
PV-Zubau in Ulm 2025 (in Prozent)

Ab Juni 2026 gibt es zudem endlich die Chance, lokale Energiegemeinschaften zu gründen. Das heißt: gemeinsam etwa in einem Stadtviertel Strom erzeugen, verbrauchen, speichern und verkaufen. Einfache Verträge reichen aus. Andere EU-Länder wie unser Nachbar Österreich praktizieren dies längst. Eine EU-Richtlinie hat die Möglichkeit 2018 geschaffen. Deutschland muss sie jetzt erst umsetzen.

Unsere Nachbarn haben sogar eine landesweite Energiegemeinschaft für sozial Bedürftige gegründet und liefern ihnen freiwillig überschüssigen Strom aus ihren Anlagen. Zum Nulltarif. Die Netzbetreiber verzichten zudem auf Entgelt. So können alle Menschen an einer Energiewende teilhaben, die uns nebenbei als Stadt und Land zunehmend unabhängig macht von Öl- und Gasimporten. Dafür zahlen wir Deutschen jährlich rund 100 Milliarden Euro. Das Geld lässt sich sinnvoller ausgeben.

Übrigens: Im Alb-Donau-Kreis wurden im vergangenen Jahr 59 MW an PV-Leistung zugebaut, weit mehr als das Doppelte im Vergleich zu Ulm. Sind die 202.500 Menschen auf dem Land schlauer als die 130.000 in der Stadt? In Baden-Württemberg gab es auch einen bescheidenen Ausbau der Windkraft mit 35 Anlagen. In Ulm bleibt es bei null. Immerhin sind sieben Anlagen geplant bzw. vorgesehen. Zur Einordnung: Ein großes Windrad (5 MW Leistung) liefert pro Jahr rund 10 GWh Strom.

.

Quellen: Marktstammdatenregister, verwaltet von der Bundesnetzagentur. Dort sind z. B. alle PV-Anlagen und sofern angemeldet, auch alle Balkonanlagen registriert. https://www.marktstammdatenregister.de/MaStR

Ziele der Stadt Ulm siehe: Gemeinderatsdrucksache 366/24

Geodatenportal der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg. https://udo.lubw.baden-wuerttemberg.de/public

IHK-Stromstudie: https://bw.ihk.de/stromstufie-fuer-baden-wuerttemberg/

Bleibe auf dem Laufenden zur Situation in Ulm mit unserem

Newsletter