Österreich setzt das Energy Sharing – das Teilen von Elektrizität mit anderen – im Herbst noch einmal besser um als bisher. Ein Vertrag zwischen dem Besitzer einer PV-Anlage und einem oder mehreren Nachbarn genügt. Das berichtet Martin Reis, Geschäftsführer des Energieinstituts Vorarlberg, beim Informationsbesuch einer kleinen Delegation aus Ulm. Bisher müssen Teilnehmer an solchen Erneuerbaren Energiegemeinschaften in der Alpenrepublik einen Verein gründen und Liefer- und Bezugsverträge abschließen. Das sieht auch die Umsetzung in Deutschland vor, die allerdings erst im Juni 2026 in Kraft trat. Abgerechnet wird in Österreich über Smart Meter im Viertelstundentakt. 90 Prozent der Vorarlberger Haushalte sind mit modernen Stromzählern ausgestattet, in Ulm sind es die in Deutschland aktuell vorgeschriebenen 20, in ganz Deutschland nur 6 Prozent. Wie in Deutschland konkret abgerechnet wird, ist außerdem noch nicht geregelt (siehe unser Newsletter vom Juni).
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Im Bereich einer Trafostation, also in einem Wohngebiet oder einem Quartier, erlässt der österreichische Verteilnetzbetreiber (z. B. das Stadtwerk) neuen und alten Energiegemeinschaften 64 Prozent des Netzentgelts von 6,9 Cent. Im Bereich eines Umspannwerks – in einem größeren Stadtteil oder innerhalb einer Gemeinde – sinkt dieser Rabatt auf 28 Prozent. Wer über ganz Österreich hinweg Strom von einer Gemeinschaft bezieht, zahlt das komplette Netzentgelt. Der Verteilnetzbetreiber ist zudem verpflichtet, den Kunden ein Webportal für die Smart-Meter-Daten zur Verfügung zu stellen und eingespeiste und abgenommene Strommengen über diese Smart Meter zu verrechnen. Da staunt der deutsche Besucher, wozu Netzbetreiber in unserem Nachbarland vom Gesetzgeber herangezogen werden.

Dank vieler Wasserkraftwerke ist Strom auch im Vergleich zu anderen österreichischen Bundesländern in Vorarlberg preiswert. Haushaltskunden zahlen rund 19 Cent pro Kilowattstunde, sagt Reis. In Deutschland liegt dieser Preis im Schnitt bei 31 Cent.
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Energy Sharing bietet allen Menschen die Chance, an der Energiewende teilzuhaben. In Österreich gibt es inzwischen sogar rund 8.000 dieser Energiegemeinschaften, erklärt Martin Reis. Sein konkretes Beispiel: ein Einfamilienhaus mit großer Dachfläche für eine PV-Anlage mit 16 Kilowatt Spitzenleistung, 4 Reihenhäuser in der direkten Nachbarschaft, zwei Wallboxen für E-Autos. Rund die Hälfte des Stromverbrauchs deckt die Gemeinschaft via Sonne. 60 bis 70 Prozent der Energiegemeinschaften sind ähnlich strukturiert. Da die Einspeisevergütung in der Alpenrepublik weiter sinkt, suchen viele Solaranlagenbesitzer neben Batteriespeichern nach Möglichkeiten, Überschussstrom sinnvoll zu nutzen. Lokales Energy Sharing ist die wichtigste Alternative zum Einspeisen der Kilowattstunden. Es hilft den Beteiligten Geld zu sparen, trägt zu einem guten Zusammenleben unter Nachbarn bei, nutzt der regionalen Wirtschaft und hält das Verteilnetz stabil.

In Deutschland musste die aktuelle Bundesregierung Energy Sharing endlich umsetzen, hoher bürokratischer Aufwand inklusive. Acht Jahre hat sie sich dafür Zeit gelassen. Dabei könnte das Konzept der Energiewende Flügel verleihen. Es ermöglicht endlich allen Menschen – nicht nur Hausbesitzern – den direkten Zugang zu Solar – oder Windstrom, die viel preiswerter Energie erzeugen als alle Alternativen. Die Alpenrepublik hält sich an die Vorgaben. Es gibt selbst eine Energiegemeinschaft, in der Anlagenbetreiber überschüssigen Strom an einkommensarme Haushalte und karitative Einrichtungen zum Nulltarif oder günstigeren Preis abgeben. Alle Netzbetreiber verzichten hier auf das Netzentgelt. Die deutsche Regelung erwähnt in ihrer Umsetzung nicht einmal die Erneuerbare Energiegemeinschaft als Säule des gemeinsamen Erzeugens, Verbrauchens, Speicherns und Einspeisens von Elektrizität.
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…und wann verbreitet sich Energy-Sharing wie ein Lauffeuer bei uns?

