Klima in Ulm: Was sich gerade bewegt – und was jetzt wichtig wird

Liebe Leserin, lieber Leser,

Klimaschutz ist bei uns kein abstraktes Ziel, sondern ganz konkret vor Ort Thema. Wir sind zusammen mit dem KlimaNetz Ulm immer wieder bei unserem Oberbürgermeister, Martin Ansbacher und besprechen wichtige Punkte. Letztes Mal hat er sich die Fachleute aus einigen städtischen Bereichen und den Stadtwerken Ulm dazu geholt, damit Themen auch gleich direkt besprochen werden können.

Vom KlimaNetz Ulm waren am 11. März mit dabei: der ADFC, BUND, People and Parents for Future und wir von LocalZero Ulm.

Hier bekommst Du einen Überblick – kompakt, verständlich und informativ.

Von den neun Punkten, die wir besprachen, greifen wir die drei wichtigsten heraus:

1) Klimaschutz-Vorreiterkonzept & Klimanetz: Der große Rahmen

Ulm arbeitet an einem Klimaschutz‑Vorreiterkonzept, das festlegt, wie Energie‑, Wärme‑ und Verkehrswende künftig umgesetzt werden sollen. Spätestens vor der Sommerpause soll das Konzept vorliegen. Klar ist schon jetzt:
Der Gemeinderat wird neue, ambitionierte Klimaziele beschließen müssen.

PV-Ausbau auf städtischen Gebäuden
Die Stadt besitzt rund 450 Gebäude, aber erst auf 24 davon ist eine PV-Anlage installiert. 252 Gebäude gelten potenziell als geeignet. Immerhin: Aktuell werden zwei Dächer pro Woche geprüft, um zu klären, ob sie PV-tauglich sind oder vorher saniert werden müssen. 80 Dächer hat die Stadt verpachtet. Dort haben Dritte PV-Anlagen zum Teil schon vor vielen Jahren installiert. Wie es um diese Anlagen steht, wird noch geklärt. Die Frage bleibt: Wann kommt der echte Turbo für die Energiewende und damit auch fürs Klima?

Schulen und Kitas zuerst?

Quelle: Stadt Ulm (c) SWU PV-Anlagen auf Ulmer Dächern

Das Klimanetz fordert, Schulen und Kindergärten prioritär energetisch zu sanieren – nicht nur fürs Klima, sondern auch für bessere Luft, mehr Konzentration und bessere Lernergebnisse.
Die Stadt verweist auf die laufende Sanierung des Schulzentrums Wiblingen. Für weitere Projekte fehlen derzeit leider die finanziellen Mittel.

2) Gasnetze: Erhalten – oder sich besser rechtzeitig davon verabschieden?

Je mehr Haushalte von Gas auf Wärmepumpen oder Fernwärme umsteigen, desto teurer wird Gas für die Verbleibenden. Das hat einen ganz einfachen Grund: Für die restlichen Gaskunden steigen die Gebühren für den Erhalt des Gasnetzes. Deshalb fordert das Klimanetz:
Frühzeitige Planung, wann Gasleitungen stillgelegt werden – transparent und sozial fair.

Die SWU setzen eher auf eine Zukunft mit Wasserstoff, inklusive Umrüstung des bestehenden Gasnetzes. Kritisch gesehen werden von den Vertretern des KlimaNetz Ulm:

  • völlig unklare Herkunft ausreichender H₂‑Mengen (für grünen Wasserstoff aus erneuerbaren Energien bräuchte man mindestens fünf Mal mehr Windräder)
  • extrem hohe Umrüstungskosten (Studien sprechen von rund 40 Mrd. € für die Ertüchtigung des Gasnetzes auf 100 % Wasserstoff in Deutschland))
  • zusätzliche Kosten für jeden Haushalt/Gaskunden, weil der Gasbrenner durch einen Wasserstoff-Brenner ersetzt werden muss.

Einigkeit herrscht immerhin: Wasserstoff zum Heizen wird sehr teuer.

3) Flusswasserwärmepumpen: Großes Potenzial – kleine Schritte?

Quelle: Flusswasserwärmepumpe (bwp Bundesverband Wärmepumpe e.V.)

Der Ulmer Wärmeplan sieht enormes Potenzial: 740 Gigawattstunden Wärme könnten pro Jahr aus Donau, Iller und Blau gewonnen werden.
Doch: Die SWU planen zunächst nur zwei kleinere Anlagen auf Neu-Ulmer Seite, um Erfahrungen zu sammeln.

Das stößt bei den Besuchern im Ulmer Rathaus auf Widerspruch, denn:

  • In Skandinavien laufen große Wärmepumpen seit Jahrzehnten erfolgreich (etwa Meerwasserwärmepumpen in Stockholm seit den 1980er Jahren versorgen 90 000 Wohneinheiten)
  • Die Technik stammt von etablierten Herstellern wie MAN und Siemens Energy
  • in Mannheim wird eine Wärmepumpe mit 165 Megawatt Leistung gebaut. Sie versorgt 40 000 Wohneinheiten.

Offen bleibt, wie Ulm das Potenzial seiner Flüsse konkret nutzen will. Positiv:

  • Eine 10‑MW‑Wärmepumpe an der Blau ist geplant (FUG)
  • Auch Abwasserwärme aus dem Klärwerk Steinhäule soll künftig genutzt werden

Neugierig geworden?
Viele Themen sind offen – und genau hier kannst Du Dich einbringen, informieren, mitdiskutieren. Klimaschutz lebt vom Mitmachen.

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