Eine mögliche Antwort auf die Frage: „Warum wird mein Haus nicht an die Fernwärme angeschlossen?“

Beim Austausch mit Ulmer:innen hörten wir immer wieder Klagen darüber, dass Häuser – insbesondere in unserer Altstadt – nicht an eine Fernwärmeleitung angeschlossen werden können. Wenn die Haupt-Leitungen wenige Meter entfernt liegen, ist das das erst einmal schwer zu verstehen. Doch nach einem Besuch bei der FUG Anfang dieses Monats und beim näheren Hinsehen werden die Gründe klar.

© FUG            Einer von zwei großen Luftkühlern in Ulm

In Ulm wurden früher alle Häuser, die mit Fernwärme versorgt wurden, an Leitungen mit 150° heißem Dampf angeschlossen. Inzwischen ist der Standard für die Verteilung von Fernwärme jedoch Heizwasser, das je nach Jahreszeit 110° oder 70° heiß ist.

Die FUG stellt seit einigen Jahren die Leitungen vom Dampf auf Heizwasser um.

Die FUG hat in Ulm noch etwa 44 km Dampf-Fernwärmeleitungen und bereits über 130 km Heizwasser-Fernwärmeleitungen. Der Umbau soll künftig auf ca 2 km/Jahr beschleunigt werden. Dieses Tempo wird verständlich, wenn in Betracht gezogen wird, dass viele andere Versorgungs- und Entsorgungs-Leitungen bereits in den engen Straßen liegen und eine Baustellenkoordination nicht immer einfach ist.

Quelle: https://www.fernwaerme-ulm.de Versorgungsnetz

Da Ulm schon viele zig Jahre mit Dampf-Fernwärmeleitungen versorgt wird, ist es nur logisch, dass diese hauptsächlich in den älteren Wohnbezirken liegen.

Es folgt eine Erklärung, warum in unserer Innenstadt nicht alle Häuser mit Fernwärme ausgestattet werden können.

Nehmen wir an:

In einer engen, schmalen Straße liegt auf der rechten Seite ein Strang der mit Dampf betriebenen Fernwärme. Alle Häuser auf der rechten Seite sind angeschlossen. Links von dem Fernwärmerohr liegen Glasfaser, Abwasserrohre, alte Telefonkabel, Frischwasserleitungen und Gasleitungen.
Warum können die Häuser auf der linken Seite der Straße nicht an die Fernwärme angeschlossen werden?

Die Häuser auf der linken Straßenseite können aus mehreren technischen und wirtschaftlichen Gründen nicht einfach an die Fernwärmeleitung auf der rechten Seite angeschlossen werden. Hier sind die wichtigsten Gründe:



1. Platzmangel und bestehende Infrastruktur

Auf der linken Seite befinden sich bereits viele andere Leitungen:

  • Glasfaser
  • Abwasser
  • alte Telefonkabel
  • Frischwasser
  • Gasleitungen

Diese Vielzahl an Leitungen bedeutet:

  • Kein Platz für zusätzliche Rohre ohne andere Leitungen zu gefährden.
  • Hohe Komplexität beim Graben und Verlegen neuer Rohre.
  • Gefahr von Beschädigungen an bestehenden Versorgungsleitungen.


2. Straßenquerung ist aufwendig

Um die Häuser auf der linken Seite anzuschließen, müsste man:

  • Die Straße aufreißen, um die Fernwärmeleitung zu queren.
  • Das ist teuer, zeitaufwendig und verkehrstechnisch problematisch.
  • Es kann auch Genehmigungen und Koordination mit anderen Versorgern erfordern.


3. Wirtschaftlichkeit

  • Der Aufwand für die Erschließung der linken Seite ist oft nicht wirtschaftlich, besonders wenn es nur wenige Häuser sind.
  • Die Kosten-Nutzen-Rechnung fällt oft negativ aus, wenn der Wärmebedarf gering ist oder alternative Heizsysteme bestehen.


4. Technische Einschränkungen der Fernwärme (das sind die wichtigsten Argumente)

Wenn die Leitung von der rechten Seite unter den anderen Leitungen hindurch zur linken Seite geführt werden müsste, entsteht oft eine tieferliegende Krümmung oder ein Siphon-artiger Verlauf. Das führt zu:

  • Ansammlung von Kondensat in der tiefsten Stelle,
  • Blockierung des Dampfstroms,
  • Korrosionsgefahr und
  • Effizienzverlust oder sogar Systemausfall.

Warum das besonders kritisch ist:

  • Dampfsysteme sind druck- und temperaturempfindlich.
  • Kondensat in der Leitung kann zu Dampfschlägen führen – gefährliche Druckstöße, die Rohre beschädigen können.
  • Die Installation von Kondensatableitern an solchen Stellen ist technisch schwierig und oft nicht zuverlässig.


Fazit:

Die Notwendigkeit, die Fernwärmeleitung unter anderen Versorgungsleitungen hindurch zu führen, würde eine ungünstige Leitungsführung mit Tiefpunkten erzeugen, in denen sich Kondensat sammelt. Das ist ein entscheidender technischer Hinderungsgrund, der oft übersehen wird, aber in der Praxis sehr relevant ist.

Das bedeutet leider auch, dass eine Angliederung an das Heizwasser-Fernwärmeleitungsnetz erst erfolgen kann, wenn Dampf-Fernwärmeleitungen ausgetauscht werden. Wir gehen davon aus, dass bei dem Wechsel zu einer Heizwasser-Fernwärmeleitung gleich Häuser angeschlossen werden können, die bisher ohne Fernwärme auskommen mussten.

Wir hoffen mit diesem Text etwas zur Klärung beizutragen und hoffen sehr, dass auch dein Haus bald an diese zukunftsweisende Möglichkeit der Wärmeversorgung angeschlossen werden kann.

Wir empfehlen jedem und jeder unserer Leser und Leserinnen, eine der interessanten Besichtigungen der FUG zu besuchen.

Dein LocalZero Ulm-Team

und alle Organisationen aus dem KlimaNetz Ulm, die bei dem Besuch dabei waren.

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