Ulm, Stadtteil Eselsberg, zwei Gastgeber, 35 Gäste verteilt auf zwei Gebäude und vier Termine, zwei vormittags, zwei nachmittags. Zum ersten Mal fand in Ulm am 15. November der „Tag des offenen Heizungskellers“ statt. Bundesweit läuft diese Aktion schon länger.

Was wollen die Organisationen (LocalZero, Greenpeace, CO2Online, VierWende, Stadt.Land.Klima! und das For Future Bündnis) damit erreichen? Leute, die bereits mit einer Wärmepumpe oder anderen erneuerbaren Energien heizen und Warmwasser aufbereiten, informieren Interessierte über ihre Erfahrungen mit den Techniken. Das baut nicht nur Vorbehalte ab, sondern zeigt, dass Sonne, Wind und Umweltwärme in der Lage sind, Gebäude mit Strom und Wärme zuverlässig zu versorgen und uns dafür keine Rechnung schreiben.
In Ulm konnten Interessierte über LocalZero zwei Gebäude besichtigen, in denen Wärmepumpen heizen und Warmwasser liefern. Medien hatten die Aktion angekündigt. Es handelt sich um Luft-Wasser-Wärmepumpen mit einem Außengerät und Innenanlagen, die Wasser speichern und bei Bedarf an Heizkörper, Fußbodenheizungen oder Duschbrause abgeben. Einmal steht das Außengerät an der Hauswand, im anderen Gebäude auf einem Flachdach.
„Wie laut ist das?“ Oder: „Höre ich den Ventilator, wenn ich das Fenster nachts geöffnet habe?“ Der Keller war noch nicht betreten, da gab es schon die ersten von vielen Fragen.
Als der Ventilator lief, konnte sich die Gruppe überzeugen, dass man eher den Luftstrom als das Summen des Ventilators hört. Sprich: Wer sehr geräuschempfindlich ist, sollte die Außenanlage nicht unbedingt direkt neben oder unter dem Schlafzimmerfenster platzieren. Maximal 32 Dezibel verursacht so ein Gerät. Das entspricht einem leichten Landregen. Eine Unterhaltung in normaler Lautstärke bringt es auf 50 Dezibel. Die Maschinen laufen aber nicht stets auf 100 Prozent, sondern der Leistungsabruf variiert zwischen 30 und 100 Prozent.
Die Besitzer der Wärmepumpen sind mit der Arbeit ihrer Geräte unterschiedlicher Hersteller sehr zufrieden. In beiden Häusern liefern sie aus einer Kilowattstunde Strom im Schnitt etwas mehr als 4 Kilowattstunden Wärme. Zwar verfügen beide besichtigten Gebäude über Photovoltaik-Anlagen. Doch nur in einem Fall betreibt der gewonnene und zum Teil in einer Batterie gespeicherte Strom die Wärmepumpe. Im anderen Gebäude läuft die PV-Anlage bereits so lange, dass das Einspeisen des Stroms ins Netz rentabler ist als ihn direkt zu verbrauchen. Der Besitzer sagt aber: „Wenn diese Vergütung wegfällt und wir den Strom im Haus verbrauchen, sind wir nahezu autark, was Strom und Wärme angeht.“ Beheizt werden bei ihm zwei Gebäude mit 1000 Kubikmeter Rauminhalt. Gebraucht wurden im Jahr 2023 rund 6000 Kilowattstunden Strom und 2024 rund 6700 Kilowattstunden. Die Wärmepumpe erzeugte daraus etwa 27.000 Kilowattstunden Wärme.
Im anderen Gebäude liefert die PV-Anlage, ausgerichtet nach Süden und Norden, inklusive Batteriespeicher im ersten Betriebsjahr der Gesamtanlage 75 Prozent des Stroms für Haus und Wärmepumpe, die neben dem Heizwasser über einen Wärmetauscher und einen extra Kreislauf Warmwasser bereitstellt. Die Anlage, zu der auch ein großer Pufferspeicher gehört, wurde im Februar 2024 installiert.
Bilanz der Betriebskosten für Heizung und Warmwasser: Sie lassen sich, je nach sonstiger Bausubstanz eines Gebäudes, mindestens halbieren. Sie können aber auch auf ein Viertel bis ein Fünftel der Kosten einer Gas- oder Ölheizung schrumpfen, zumal die Preise für Erdgas und Heizöl in den kommenden Jahren eher ansteigen werden. Günstiger dürften die fossilen Brennstoffe nicht mehr werden. Als angenehmen Nebeneffekt sagt einer der Kelleröffner: „Im Vergleich zu vorher verteilt sich die Wärme gleichmäßiger im Haus.“

Und was war das Motiv für den Einbau der Wärmepumpe? Beide Gastgeber nennen Klima- und Umweltschutz. Einer fügt als seinen direkten Auslöser hinzu: „Als Putin den Krieg in der Ukraine begann, war mir klar: Jetzt müssen wir uns aus der Abhängigkeit von Gas und Öl aus anderen Staaten befreien.“

